Das Gesprochene deckt den Tisch…

Titel: Das Gesprochene deckt den Tisch und macht ihn mit Inhalt reicher als jedes Festtagsmahl („The spoken word sets the table and enriches it more with substance than a celebratory meal“)

Theresa Rutscheidt
Maße: 89 x 35 x 20 cm
Jahr: 2015
Material: Leuchtpuppe, Nudeln, Heißkleber, Lack

Beschreibung*

Was hat Essen mit Sprache zu tun? Sprache kann als Befriedigung des geistigen Hungers gesehen werden. Leider rückt das anregende Gespräch beim Essen immer weiter in den Hintergrund. Man schweigt sich an, oder andere Medien, wie das Fernsehen oder das Handy, werden konsumiert.Das Gespräch soll zurück an den Tisch geholt werden. Als eine dekorative Spitzendecke getarnt, deckt ein Dialog symbolisch den Tisch und schmückt ihn dekorativer als jedes Festtagsmahl. Alternativ kann diese Decke bei wortkargen Dates gesprächsanregend genutzt werden.

*Kann bei ausbleibendem Zugang zum Kunstwerk herangezogen werden.

 

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Folgender Dialog ist auf dem Tisch zu lesen:

B Wenn das Essen nicht bald kommt, falle ich vom Fleisch.
L Abwarten und Tee trinken.
B Mein Teesatz sagt nichts Gutes.
L Ich habe einen im Tee. In vino verita. Warum müssen wir betrunken sein, um zu spüren, dass die Welt sich dreht?
B Alkohol löst Zungen, aber keine Probleme.
L Essen ist ein Bedürfnis des Magens, Trinken ein Bedürfnis des Geistes. Wo man trinkt, da wird auch gesprochen.
B Willst du mir gerade Honig um den Mund schmieren? Heute ist mit mir nicht gut Kirschen essen. Ich sterbe vor Hunger.
Heute bin ich der Suppenkasper. Das ist heute auch nicht das Gelbe vom Ei. Das schmeckt mir wie ein Buchstabensalat. Es scheint mir als hätten sie alles in einen Topf geschmissen. Viele Köche verderben den Brei. Da trennen sich die Spreu vom Weizen. Es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht wird.
L Du findest immer ein Haar in der Suppe
B Und du musst Immer deinen Senf dazu geben. Da bleibt mir nichts anderes übrig als dich in die Pfanne zu hauen.
L Die Suppe musst du jetzt selbst auslöffeln. Für mich geht es um die Wurst.
B Musst du mir bei Brot und Wasser auf den Keks gehen.
L Der Apfel fällt nicht weit vom stamm. An deiner Stelle würde ich dringend das Radieschen von unten Betrachten.
B Aber das macht leider den Kohl hier auch nicht nett. Geh doch hin wo der Pfeffer wächst.
L Wenn man nach einem Festessen die Gastgeberin auf beide Wangen küsst, erspart man sich die Serviette.
B Da bleibt mir das Wort im Munde stecken.